Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) wurde 1993 eingerichtet, um Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord aufzuarbeiten, die während der Konflikte auf dem Balkan in den 1990er Jahren begangen wurden. In meiner Dissertation möchte ich untersuchen, wie sich der ICTY auf den gesellschaftlichen Frieden ausgewirkt hat, indem ich seine Auswirkungen auf Konfliktlösung, Übergangsjustiz und Versöhnung analysiere. Anhand einer Literaturübersicht und der Analyse von Primärquellen möchte ich in meiner Arbeit darlegen, ob der ICTY als Prozess der Übergangsjustiz positiv zum gesellschaftlichen Frieden beigetragen hat, indem er die Rechenschaftspflicht für Kriegsverbrechen förderte, den Opfern eine Plattform bot, um ihre Klagen vorzubringen, und dazu beitrug, eine gemeinsame historische Darstellung des Konflikts zu schaffen. In dem Papier möchte ich auch die Herausforderungen und Grenzen des ICTY aufzeigen, darunter sein langsames Tempo, seine vermeintliche Voreingenommenheit und seine begrenzte Fähigkeit, strukturelle Konfliktursachen anzugehen. Ich möchte untersuchen und recherchieren, ob das ICTY allein alle komplexen Probleme im Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Frieden lösen könnte, denn es hat einen wichtigen Beitrag zur Schaffung einer friedlicheren und gerechteren Gesellschaft im ehemaligen Jugoslawien geleistet. Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich eine umfassende Analyse der Herausforderungen und Möglichkeiten liefern, die sich ergeben, wenn man versucht, die Forderungen nach Frieden und Gerechtigkeit in der Gesellschaft des ehemaligen Jugoslawien in Einklang zu bringen. Darüber hinaus werden neben Primärquellen und Testimonial-Forschung auch qualitative Interviews durchgeführt, um Einblicke in die Perspektive der Befragten zu gewinnen und ihre persönlichen Erzählungen in diesem Kontext zu verstehen.