Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema Rekursion, also der selbstähnlichen Wiederholung, in der menschlichen Kognition bezogen auf natürlich sprachliche Syntax. Da meist nur Sätze, die mehrfache Einbettung von CPs enthalten, insbesondere zentral-eingebettete CPs, als rekursiv angehsehen werden, da von diesen angenommen wird, dass sie eine immer komplexer werdende Einbettung von Konstituenten erzeugen, beschäftigt sich diese Arbeit ebenfalls mit der Frage, was sprachliche Rekursion tatsächlich ist und welche Rolle Rekursion in der menschlichen Kognition spielt, sodass sich Sprache beim Menschen entwickeln konnte. Zu diesem Zweck muss klar sein, inwiefern sich Sprache von anderen Kommunikationssystemen unterscheidet und zudem, was die Mechanismen sind, die diesen Unterschied hervorrufen, wie sie im Gehirn verarbeitet werden und ob sie auch in nicht-sprachlichen Domänen auftauchen und ob sie zudem von anderen Spezies kognitiv verarbeitet werden können. Das erste Kapitel ist eine Einleitung zu dem Begriff Rekursion und zu dem Konzept dahinter. Des Weiteren wird die Anwendung dieses Konzepts in verschiedenen Gebieten veranschaulicht. Dieses Kapitel zeigt und diskutiert ebenfalls mögliche Abgrenzungen von Rekursion zu anderen Mechanismen der Wiederholung, wie Iteration. Zusammenfassend wird in diesem Kapitel geschlussfolgert, dass eine Unterscheidung zwischen Rekursion, Iteration und „einfacher Wiederholung“, oder „einfacher Einbettung weder notwendig noch plausibel ist. Auch die Annahme, dass rekursive Prozesse und Strukturen voneinander zu trennen sind, ist nicht nachvollziehbar, da folgend der X‘-Theorie jeder Satz, auch wenn er nur eine CP enthält, eingebettet ist, und somit jeder Satz, der laut Phrasenstrukturregeln rekursiv durch seine Ersetzungsregeln ist, auch eine rekursive Struktur mit Einbettungen erzeugt. Kapitel 2 hat Rekursion innerhalb linguistischer generativer Theorien zum Thema. In diesem Kapitel geht es unter anderem darum, was der Mechanismus ist, der Sprache rekursiv macht, wobei die Schlussfolgerung ist, dass jeder Satz gleichermaßen rekursiv ist, dadurch, dass die Operation Merge rekursive Eigenschaften besitzt und für die Indefinitheit natürlicher Sprache sorgt. Des Weiteren wird begutachtet, ob es Gründe gibt, anzunehmen, dass nur Sätze mit mehreren CPs rekursiv sein können, wobei darauf geschlossen wird, dass der einzige wichtige Unterschied darin liegt, dass bei Sätzen mit mehreren CPs mehr Arbeitsgedächtniskapazität gefordert wird. In Kapitel 3 werden die neuronalen Mechanismen, die für Syntax, bzw. Rekursion verantwortlich sind, betrachtet. Dabei wird ebenfalls die Rolle, die das Arbeitsgedächtnis einnimmt, berücksichtigt, da es eine wichtige in diesem Belang zu spielen scheint. Kapitel 4 beschäftigt sich mit Rekursion im menschlichen Denken außerhalb der Sprache und mit der Wichtigkeit, die Rekursion als menschliche Universal für natürliche Sprache hat. Dies geschieht am Beispiel der indigenen Sprache Pirahã, die laut Daniel Everett nicht rekursiv ist, was jedoch durchaus umstritten ist. Im zweiten Teil des Kapitels geht es um die Kognition nicht-menschlichen Spezies in Bezug auf Rekursion und Sprache. Hierbei werden Singvögel und nicht-menschliche Primaten als Beispiel näher betrachtet. Das fünfte Kapitel widmet sich der Frage, welche Rolle Rekursion bei der Entstehung der Sprache beim Menschen spielt, wobei festgestellt wird, dass Rekursion vermutlich eine wichtige Rolle gespielt, da die Fähigkeit, rekursiv zu denken nicht nur zu der Möglichkeit geführt hat, abstrakte Regel anzuwenden und somit unendlich lange, immer neue Äußerungen zu produzieren, sondern auch die hauptsächliche Rolle dabei spielt, dass menschliche Sprache, im Gegensatz zu Kommunikationsformen anderer Tiere, dazu in der Lage ist, sich nicht auf das Hier und Jetzt zu beziehen, sondern neben Vergangenheit und Zukunft auch auf mögliche Welten. Eine wichtige Frage diesbezüglich ist natürlich, wieso Menschen, nicht aber andere Spezies diese Fähigkeit der Kommunikation entwickelt haben, da einige Tiere gute kognitive Fähigkeiten sogar innerhalb der gleichen Domänen wie Menschen zeigen.
Stoughton BellEdgar J. Gilbert
Chris EliasmithT. StewartDaniel RasmussenChris Eliasmith