Der einflussreiche kulturphilosophische Essay erschien 1900. Das Werk ist in der Form eines Monologs angelegt, einer langen Rede, die ein Professor am Ende des Schuljahres hält. Seine Schüler nennen ihn "Próspero" wegen seiner Ähnlichkeit mit der gleichnamigen Gestalt aus Shakespeares The Tempest. Hinter "Próspero" erhebt sich im Vortragssaal die Statue Ariels, des himmlischen Wesens aus demselben Drama. Im Werk Rodós wird Ariel zur allegorischen Figur für den Sieg der Vernunft und der Gefühle über die niedrigen Triebe der Unvernunft: "Er ist die großmütige Begeisterung, der hochgesinnte Antrieb des Handelns, die Geistigkeit der Kultur, die Lebendigkeit und die Anmut der Intelligenz." Ihm gegenüber verkörpert die ebenfalls von Shakespeare übernommene Figur des Caliban Kulturlosigkeit, Sinnlichkeit und Geistesträgheit. Für die vom Positivismus enttäuschte Jugend Hispanoamerikas stellt Rodó in Ariel eine neue Wertlehre auf, die später den Namen 'Arielismus' bekommen sollte.