Die wohl bedeutendste und vielseitigste romantische Autorin Lateinamerikas (sie verfaßte Lyrik, Dramen und Prosa) wuchs als Tochter eines spanischen Marineoffiziers und einer Kubanerin auf. Nach dem frühen Tod ihres Vaters und der überstürzten Wiederverheiratung ihrer Mutter entwickelt sich »Tula« zu einem störrischen Mädchen, das in der Lektüre und im Aufführen von Dramen Sublimierung dieses Traumas sucht. Zu einem Familienskandal kommt es, als sie mit fünfzehn eine arrangierte Ehe mit einem wohlhabenden älteren Verwandten im letzten Moment platzen läßt. Auch in Spanien, wohin die Familie 1836 übersiedelt, weigert sie sich standhaft, gegen ihren Willen verheiratet zu werden, und zieht mit ihrem Bruder Manuel nach Sevilla. Dort fuhrt sie ein für die damalige Zeit relativ freies Leben und verfaßt erste Gedichte unter dem Pseudonym »La Peregrina«. 1838 lernt sie Ignacio de Cepeda kennen, die große tragische Liebe ihres Lebens, ein höchst prosaischer Charakter, dem wir die posthume Veröffentlichung von Tulas Liebesbriefen (1907) verdanken. 1840 wird ihr erstes Drama Leoncia in Sevilla uraufgeführt, eine ödipale Dreiecksgeschichte, die A.s Ruhm als Bühnenautorin begründet. Sie verlegt ihren Wohnsitz nach Madrid, wo sie ihres Talents, aber auch ihrer Schönheit wegen zu einer gefeierten Figur wird und als einzige Frau außer Carolina Coronado (1823–1911) Eingang in die Zirkel der romantischen Dichter findet.