Diese Fallstudie ist eine Langzeituntersuchung zum Erwerb der funktionalen Kategorien einer Zweitsprache bei einem Kind(Josephine) mit Chinesisch als Muttersprache (L1) und Deutsch als Zweitsprache (L2). Der kindliche L2 Erwerb wird allgemein als eine Schnittstelle zwischen dem L1 Erwerb und dem erwachsenen L2 Erwerb erfasst, da er Eigenschaften aufweist, die beiden Erwerbstypen ähnlich sind. Im Bereich Syntax zeigte Josephine ein ähnliches Entwicklungsprofil wie die erwachsenen L2 Erwerber. Im Vergleich zum L1 Erwerb ließen sich einige qualitative Unterschiede feststellen. Im Bereich Flexionsmorphologie wurde feststellt, dass die sogenannte „optional infinitive“ Phase, auch bei Josephine zu finden war. Auf Basis dieser Ergebnisse werden drei wichtige Hypothesen näher diskutiert :die „Minimal Trees“-Hypothese, die „Weak Transfer/Valueless Features“-Hypothese, und die „Full Transfer/Full Access“-Hypothese. Die Ergebnisse dieser Fallstudie befürworten die Ansicht der starken Kontinuitätshypothese, allerdings stößt diese Hypothese auf ein Problem bezüglich der systematischen Korrelation zwischen der Entwicklung von Syntax und Flexionsmorphologie. Aufgrund der Beschränkung beider Modelle sollten neben UG und Transfer noch weitere Faktoren berücksichtigt werden: wie z.B. Zugang zu UG, Transfer, Input und anderen individuellen Variablen.