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Linguistische und ethnologische Bemerkungen zu den tungusischen Texten und zum Kommentar

Karl H. Menges

Year: 1993 VS Verlag für Sozialwissenschaften eBooks Pages: 21-39   Publisher: Springer VS

Abstract

Als ich Ryčkovs samanistische Texte das erste Mal sah, hatte ich den Eindruck, daß die Sprache dieser Texte kein Ewenki oder überhaupt eine tungusische Sprache, sondern etwas anderes war—vielleicht Dolganisch oder gar Samojedisch. Dieser Eindruck wurde durch das Fehlen jedweder Lautharmonie sowie die suffixalen Silben hervorgerufen, die so oft auf -lwe, -we, -wi oder andere mir unbekannte Elemente endeten. Doch es war gleich zu erkennen, daß die stamm- oder wurzelhaften Elemente tungusisch waren. Was die Täuschung hervorrief, waren die vielen Expletiva, Füllsilben, die sich in diesen samanistischen Texten zumeist am Wortende, mit echten Suffixen kombiniert, oder auch ohne sie, vorfinden. Šamanistische Texte in türkischen Sprachen—soweit bisher veröffentlicht—zeigen keinerlei Erscheinungen dieser Art und sind außerdem auch im Wortschatz selten oder nie verändert, was unter dem Zwang des Tabu ja immer wieder gemacht wird. Ähnlich wie hier in den nördlichsten ewenkijischen Dialekten, im Ilimpija-Gebiet, liegen die Dinge im Uralischen, wo ebenfalls Füllsel in recht reichhaltigem Vorkommen anzutreffen sind. Dies ist von P. HAJDú in dem Sammelband "Shamanism in Siberia" (edd. V DIúSZEGI und M. HOPPáL, Budapest 1978), pp. 355-372, "The Nenets Shaman Song and its Text" beobachtet und analysiert worden. HAJDú kommt zu dem Schluß, daß das häufige Füllsel ņäe nicht, wie LEHTISALO annahm, die 3. sg. prs. "(lat.) est" ist, sondern er hält es für eine der immer wiederkehrenden und "bedeutungslosen einsilbigen Partikeln" wie ņōw, ņo-ow, ņäe-ņäe-äj, die überhaupt die wichtige Aufgabe von Wort- und Zeilentrennung erfüllen, und weiterhin meint HAJDú, daß gewisse bisher unberücksichtigt gelassene Morphemvarianten auf dieser Basis erklärt werden könnten. Dies ist eine sehr beachtenswerte These, die auch für das altajische Gebiet, wie gerade hier das Tungusische, von einer noch festzustellenden Bedeutung sein kann. Im nachstehenden Text mögen sich Verdunkelungen der Morphologie—wie unten im Kommentar vielfach angedeutet—durch die Interferenz von Füllseln als Pseudosuffixa erklären lassen, was von Fall zu Fall untersucht werden muß. HAJDúS These wird durch Parallelerscheinungen in Liedern unterstützt, ein sehr willkommener Umstand, der in unserem Fall leider nicht—oder noch nicht, da nur sehr wenige Lieder veröffentlicht sind—zu Hilfe gezogen werden kann. Daher wird unten immer vermerkt, was Füllsel ist oder, wenn der ganze Morphemkomplex undurchsichtig ist, was ein solches sein kann.

Keywords:
Humanities Philosophy Art

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Topics

Linguistics and Cultural Studies
Social Sciences →  Arts and Humanities →  Language and Linguistics
Linguistics and language evolution
Social Sciences →  Arts and Humanities →  Language and Linguistics
Linguistic research and analysis
Social Sciences →  Arts and Humanities →  Language and Linguistics

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